Leider sind viele Reisereportagen besonders schlicht und eintönig gehalten, sie sind im Prinzip alle ähnlich verfasst, nur die genannten Orte und Sehenswürdigkeiten variieren. Das muss aber nicht sein, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine besondere Reisereportage zu verfassen. Es ist zum Beispiel nicht besonders hilfreich, jeden schönen Ort als Paradies zu bezeichnen, der Begriff hat mittlerweile an Eindruckskraft verloren. Es ist dabei besser, sich eventuell einmal ironisch dem verlorenen Paradies zu nähern und wahrheitsgetreu eine Region zu schildern, deren Einwohner dem eigenen Paradies vielleicht nachtrauern.
Es muss auch nicht immer ein bestimmtes Ziel in der Reisereportage beschrieben werden. Warum nicht einmal die Reise selbst zum Thema machen? Reisen hat schließlich immer etwas mit Fortbewegung zu tun, früher war Reisen gleichbedeutend mit Arbeit, denn Urlaubsreisen zum Zwecke der Erholung waren selten.
Eine dritte Form der etwas anderen Reisereportage beschäftigt sich auch nicht mit einem konkreten Ziel, sondern im Prinzip auch mit dem Reisen selbst. In der Literatur gibt es unzählige Beispiele für Routen und Touren, die bereits von berühmten Schriftstellern beschrieben wurden. Hier bietet sich eine Variante der Reportage, nämlich das Verfolgen dieser bereits beschriebenen Routen und das eigene Nachempfinden der Erlebnisse, an. Das ist vielleicht nicht unbedingt neu, kann aber so interessant geschrieben sein, dass es ein völlig neues Bild einer Region entwirft.

Auch wenn die allgemeine Meinung herrscht, eine Reisereportage wäre unpolitisch, so ist das doch in den seltensten Fällen wirklich so. Es wird zwar teilweise versucht, das Reisen als Freizeit zu beschreiben, in der die Politik, nichts zu suchen hat, doch viele Autoren versuchen, in ihren Texten ein gewisses Maß an Sozialkritik unterzubringen und so zeigt sich rasch, dass es nahezu unmöglich ist, eine unpolitische Reportage zu verfassen. So gibt es auch die Möglichkeit, zwar über ein anderes Ziel zu schreiben, inhaltlich doch einige Kritikpunkte an der eigenen Heimat, beziehungsweise deren politischem Zustand, in die Reportage mit aufzunehmen. Ausflüge in die Politik können eine Reisereportage abrunden.
Zuletzt soll noch das Spiel mit den Klischees erwähnt werden. Übertreibung und Ironie können einen Text erst richtig lebendig wirken lassen. Es geht keineswegs darum, Klischees zu verfestigen, sondern sie herauszustellen und die Wahrheit darüber zu beschreiben.
Verfasser des Textes:
Gisela Merz-Busch
22457 Hamburg
Suche nach einem freien Reiseredakteur oder Reisejournalisten über das Freiberufler-Portal: http://www.lektorat.de/redakteur
|